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Indonesischer Abend

Wenn wir an muslimische Kultur(en) denken, fällt uns häufig die Türkei, die Länder des Nahen Ostens oder auch Marokko zum Beispiel ein. Dabei ist das Land mit den meisten Muslim*innen in Südostasien zu finden. In Indonesien leben über 200 Mio. Muslim*innen (knapp 90% der Bevölkerung), von der indonesischen Kultur ist in Deutschland und auch in den westlichen muslimischen Gemeinschaften aber eher wenig bekannt.

Dr. Claudia Seise ist Expertin in den Südostasienwissenschaften und insbesondere für den Islam in südostasiatischen Ländern. Sie hat unseren indonesischen Abend mit einem tollen Vortrag eröffnet, der spannende Einblicke in die religiöse und kulturelle Lebensart der Indonesier*innen gewährt hat und nicht zuletzt auch Brücken gebaut hat zum muslimischen Leben bei uns in Mitteleuropa. Die Fakten zu Indonesien und zur religiösen Landschaft dort wurden kurz gehalten, umso spannender und ausführlicher wurde uns die spezifische Lebensart und muslimische Praxis „Silaturahmi“ erläutert und nahegelegt. Dieses Konzept hat viel mit Gemeinschaft und Verbundenheit (im Glauben, aber auch generell im Menschsein) mit anderen in verschiedenen sozialen Geflechten zu tun. Ein Exkurs zu den „Walisanga“ (neun Gottesfreunde von Java), die bedeutsam sind für die historische Entwicklung des Islam in Indonesien, hat den Vortrag komplettiert. Besonders beeindruckend waren die eigenen Gedichte von Frau Dr. Seise, in der sie ihre eigene Auseinandersetzung mit dem (indonesisch geprägten) Islam ausdrückt. Eines handelte von der Lehre über „Medizin für die Herzen“, welche durch 5 einfache Regeln wirkt:

  1. Lies den Koran und verstehe ihn
  2. Bete in der Nacht
  3. Umgib dich mit gottesfürchtigen Menschen
  4. Behalte einen leeren Magen
  5. Gedenke Gott in der Nacht

Dies ist nur ein Beispiel für die vielen Stellen im Vortrag über den Islam in Indonesien, an denen Muslim*innen in Mitteleuropa anknüpfen und sich mit ihrem Islamverständnis beschäftigen können.

Weitere Highlight dieses Abends war die musikalische Umrahmung durch Agung Gumilar mit seiner Frau am traditionell indonesischen Instrumengt Angklung: Nach dem Vortrag durften wir sogar alle gemeinsam damit musizieren und haben unter der hervorragenden Anleitung des Künstlers sogar gemeinschaftlich „Can’t help falling in love“ gespielt.

Natürlich muss ein solcher Abend mit leckerem Essen abgerundet werden – wir bedanken uns für die indonesischen Köstlichkeiten!

Der Vortrag kann auf unserem Youtube-Kanal nachträglich angesehen werden: