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Brennpunkt Religion: Kann man heute noch beten?

Für manch einen lässt sich die Frage im Titel leicht beantworten, in der eher säkularen Mehrheitsgesellschaft spielt Gottbezogenheit und Gebet aber kaum eine Rolle und Beten erscheint im Bild von Berlin oder Deutschland allgemein eher unmodern und irrelevant. Deswegen haben wir drei Referenten eingeladen, die dem Sinn und Nutzen des Gebets aus ihrer jeweiligen religiösen Tradition auf den Grund gegangen sind. Den Hauptvortrag hat Prof. Dr. Felix Körner SJ gehalten, Jesuitenbruder und Lehrstuhlinhaber für Theologie der Religionen am Zentralinstitut für Katholische Theologie der Humboldt-Universität. Seine Impulse bauten auf dem ersten Vers des Psalm 42 auf: „Wie der Hirsch/die Hirschkuh lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, nach dir, Gott.“

Ergänzend zu seinem Vortrag haben Imam Ender Çetin und Rabbiner Nils Ederberg Gedanken aus dem muslimischen bzw. jüdischen Gebetsverständnis geteilt. Ender Çetin erklärte vor allem den Unterschied zwischen dem Ritualgebet und individuellen Bittgebeten und wie Gebete aus seiner / islamischer Sicht zur Erfüllung von Wunschen geeignet sind bzw. worauf es dabei ankommt, um annehmen zu können, dass Allah Gebet auch erhört. Hier sei vorweggenommen: es kommt auf die Perspektive an. Rabbiner Nils Ederberg hat geschildert, wie die jüdische Gebetspraxis aussieht und unter anderem den Gemeinschaftsaspekt besonders hervorgehoben. Interessant war dabei besonders, dass viele jüdische Gebete recht pragmatisch formuliert sind. Dieser Teilaspekt hat einen spannenden Kontrast zum sehnsuchtsvoll-emotionalen Gebetsbeispiel von Felix Körner zu Beginn dargestellt.

Das restliche Drittel des Abends wurde moderierende von Betül Ulusoy begleitet, die u.a. Fragen zum ganz persönlichen Gebetsleben der Referenten gestellt hat und auch eine kleine Geschichte erzählt hat, deren Moral sich mit der Frage beschäftigt, ob es eine „richtige“ und dementsprechend auch eine eine „falsche“ Art zu beten gibt. Darüber hinaus wurden Fragen vom Publikum aufgenommen und von den Referenten besprochen.

Alle Beiträge des Abends sowie die anschließende Diskussion können nachträglich auf unserem YouTube-Kanal angeschaut werden: